Halbzeit

Tatsächlich ist die Zeit irgendwann vorbeigegangen, in der man sich gewünscht hat, bestimmtes ordentliches Essen von Zuhause zu bekommen.

Nach drei Monaten hier ist der erste Gedanke, der mir dazu einfällt eigentlich nur: Dann sind es ja nur noch 3 Monate. Viiiiel zu wenig Zeit, um alles zu lernen, was man gerne lernte, viiiel zu wenig Zeit mit einigen Menschen, die man vielleicht nie wiedersieht und viiiel zu wenig Zeit, um einen richtigen Teil zu diesem Ort beizutragen.

Heute ist eine Familie nach Hause geflogen, die mich hier meine gesamte Zeit begleitet hat und in ihrer Abschiedsrede haben sie angesprochen, was für ein Ort das hier ist und wie man untereinander mit ihm umgeht. Ich habe das in meinen zuvor gegangenen Berichten ja schon des öfteren angesprochen, aber es erstaunt mich trotzdem immer noch jeden Tag. Hier wird schlicht weg zusammen gehalten.

Auf dem Weg raus aus der Schule in das kleine Dorf in der Nähe, haben einige von uns schon darüber gegrübelt, wann und wo wir uns wohl widersehen. Eine genaue Antwort gab es zwar nie, aber bei manchen ist es klar, dass sie wieder hier sein werden und bei anderen zumindest, dass sie, wenn wir uns in 2 Jahren widersähen, dann schon beispielsweise Jura-Viertsemestler wären. Auf die Frage, wo ich denn gedenke in 2 Jahren zu sein, hatte ich absolut keine Antwort und das Gefühl ist wunderbar, so unwahrscheinlich es auch klingt. Macht es einem etwas Angst? -Natürlich. Aber wenn man diese Ungewissheit akzeptiert, fühlt man sich einfach nur frei.

Seltsam, wenn man bedenkt, dass man auf dem Schulgelände bleiben muss und nur an zwei Tagen in der Woche raus darf – und dass auch nur, nachdem man sich bei der Torwache schriftlich abgemeldet hat. Und auch seltsam, wenn man die ganzen Regeln bedenkt und die vielen Meetings oder auch den Drill beim Training. Das Gefühl von Freiheit scheint weniger mit der Abwesenheit von Regeln und ähnlichem zu liegen. Natürlich weiß ich ganz genau, dass ich hier gehen kann, wann ich will und das macht viel aus, aber trotzdem muss man sich auf eine Situation richtig einlassen können.

Wenn der zukünftige Job oder die zukünftige Ausbildung etc. noch absolut unklar ist und man sich einfach noch ein bisschen in dem Wunderkästchen-Welt umsehen kann, hat man die Chance, dass eben so zu sehen. Denn wenn man sich in diesem Alter die Zeit nimmt, herauszufinden wer man ist und was das ausmacht, dann kommt man auch aus den schlechten Situationen wieder heraus – dadurch, dass man sie für sich als solch identifiziert.

Falls meine ehemalige Deutsch-Lehrerin das hier liest: In meiner kleinen Schubladen-Bibliothek findet sich passend zu diesem Thema auch eine Ausgabe von ‘Die Räuber’ ^^, vielen Dank, dass wir das anstelle von ‘Kabale und Liebe’ lesen durften ;).

Egal an welchem Punkt im Leben man gerade ist, man sollte sich der Situation bewusst sein, in der man momentan steckt. Denn entweder ist sie gut und dass sollte man wertschätzen oder sie ist schlecht und man sollte sie ändern. Und im Fall der Fälle, dass das nicht so leicht ist, kann man immer eine Sache ändern und das ist die Einstellung zu dieser ‘Lebenssituation’.

One thought on “Halbzeit

  1. Auch wenn ich es nur bis zur Hälfte gelesen habe bin ich auch froh Die Räuber gelesen zu haben 🙂 Sehr philosophische Texte Carmen ich bin stolz auf dich. War der Deutsch-LK doch zu was gut! Es freut mich zwar sehr, dass es dir so gut gefällt aber hoffentlich kommst du auch wieder zurück ich schulde dir noch 2 Euro 😉

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