19.07.19 – First month

Vor genau einem Monat hat meine Reise hier her begonnen und für die meisten, die über den Sommer hier sind, wäre das der Zeitpunkt, um abzureisen. Für mich ist es aber gerade erst der Anfang vom Anfang. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen schon zurück nach Hause zu gehen.

Versteht mich nicht falsch: es gibt schon Momente in denen ich lieber Zuhause wäre. Vorzugsweise in meinem Bett und mit einem Tablett voller Essen auf dem Schoß, dass weder übermäßig süß ist oder vor Fett trieft. Und guter frisch gepresster Orangensaft… – Ich schweife ab 😉

Mein Punkt ist: Ein Monat wäre viel zu kurz, um die Leute hier richtig kennenzulernen und den ein oder anderen ins Herz zu schließen. Ein Monat wäre viel zu kurz, um mehr als nur die Kung Fu-Basics zu lernen. Ein Monat würde nicht dauerhaft etwas verändern. Ein Monat wäre nicht genug, um herauszufinden, warum ich eigentlich hier bin (kleiner Lesetipp zu eben diesem Thema an dieser Stelle: ‘Das Café am Rande der Welt’ von John Strelecky). Ein Monat würde den Langstrecken Flug nach China für mich gar nicht rechtfertigen. Ein Monat… wäre einfach zu wenig.

Ich will sehen, wie die Blätter hier langsam braun werden und irgendwann von den Bäumen fallen und mit etwas Glück auch, wie die Tischtennisplatten, an denen man sich zur Zeit beinahe das Hinterteil verbrennt, von einer dünnen Schneeschicht bedeckt werden. Ich will spüren, wie mir das Training leichter fällt und die Bewegungen sich einprägen. Ich will schneller und weiter laufen können und oben auf dem Berg stehen, ohne das Bedürfnis zu haben, einfach da oben mein Lager aufzuschlagen. Und vor allem möchte ich die Menschen hier besser verstehen (das ist in diesem Fall weniger auf mein spärliches Chinesisch bezogen^^).

Lasst euch nicht von eurem Umfeld verbiegen und denkt dran, dass niemand euch sagen kann, wer oder wie ihr seid, wenn ihr es selbst wisst. Wer weiß wer er ist, erkennt seine Stärken und Schwächen im Umgang mit anderen wieder, hört die konstruktive Kritik und -manchmal am allerwichtigsten- überhört die destruktiven Kommentare.

Soweit zu meinem kleinen ‘Monatsspecial’ 😉

Liebe Grüße

Advertisements

13.07.19

Schon/erst 3 Wochen hier. Seltsam.

Wie bereits befürchtet hat das nächste bisschen Regen (zugegeben, diesmal war es ein richtiges Gewitter mit Blitzen und allem drum und dran) das Stromnetz und damit auch die Wasserleitung lahm gelegt. Danach war das Wasser aus dem Wasserhahn dann erstmal braun… Gott sei Dank alles nicht dauerhaft. Lustigerweise ist es eigentlich schlimmer, nicht zu wissen, wann das Wasser wieder da ist, als die Tatsache, dass man sich gerade nicht mal eben duschen oder die Hände waschen kann – nicht dass das ein Zuckerschlecken wäre^^. In Folge dessen ist dann das Wlan auch für zwei Tage weg gewesen und da ich keine chinesische Simkarte habe, darf man sich nicht wundern, wenn ich mal ein paar Tage von der Bildfläche verschwinde.

Es sind viele neue Leute dazu gekommen und jeder bringt seine eigenen Geschichten und Sprachen mit. Chinesisch – Französisch – Deutsch – Englisch – Türkisch und neuerdings auch Schwedisch, man weiß nie was man hier so hören kann. Außerdem ist das Training jetzt meiner Meinung nach nicht mehr ganz so hart, weil wir zu viele sind fürs Treppentraining zum Beispiel. Wir haben aber neuerdings einen Helfer-Shifu, der den Kung fu-Neulingen die zweite Faustform beibringen soll und auch wenn ich mir wirklich Mühe gebe, zu verstehen, was er von mir will, zerrt es nach einer Stunde schon massiv an den Nerven, wenn der einzige Tipp den man bekommt: ‘Quicker’ ist. Entweder liegt das an seinem Englisch oder… ja es gibt eigentlich kein ‘oder’, ich hoffe sehr es liegt an seinem Englisch. Wenn er mir nämlich 20 Mal sagt, ich solle das schneller und mit mehr Kraft machen, dann hilft mir das herzlich wenig dabei, den Bewegungsablauf erstmal zu lernen^^.

14.07.19

Gestern durften wir außerdem Zirkuspferdchen spielen. Die Schule will nämlich ein bisschen an der Werbetrommel rühren und da dürfen die Ausländermaskotchen natürlich nicht fehlen. Es ist hier tatsächlich so eine Art Prestige-Gewinn, wenn man in Kontakt mit Ausländern ist oder einen Freund/in hat der oder die Ausländerin ist. So wie ich das verstanden habe, bedeutet das nämlich aus irgendeinem mir unbekannten Grund, dass man wohlhabend ist, weil man sich einen europäischen Partner ‘leisten’ kann. Eines ist sicher: Jeden Tag lernt man hier etwas Neues, was in die Kategorie: “Andere Länder, andere Sitten” fällt^^.

Wo wir schon beim Thema Beziehungen sind: Letzte Woche kam uns hier ein Ehepaar aus Italien besuchen. Der Mann hatte hier vor einigen Jahren Sanda trainiert und danach endlich den Mut gefunden, seiner jetzige Frau die Frage zu stellen, mit der er in seiner Zeit hier wohl geschrieben hatte. Sie waren nur einen Tag hier, weil er ihr unbedingt den Ort zeigen wollte, der für ihn eine große Veränderung in seinem Leben bedeutet hat und natürlich auch um ihr Shifu vorzustellen.

Das war aber eigentlich nur der Auftakt der Pärchengeschichten: Unser Shifu hat es sich danach nämlich nicht nehmen lassen, jedes einzelne Paar aufzuzählen, das sich hier an diesem Ort kennengelernt hat und wir sind nur knapp darum herum gekommen, uns eine ganze Sammlung an Selfies anzusehen, die er von eben diesen Menschen aus aller Welt zugeschickt bekommt. Außerdem meinte er zusätzlich, er hofft, dass die Schule auch in Zukunft dabei hilft, gleichgesinnte aus aller Welt zusammen zu bringen. Wer hätte das gedacht: Martial Arts Schule mit paralleler Partnerbörse^^.

Vermutlich würde das Motto lauten: “Wenn Sie den Alltag und gerade das Training hier Seite an Seite überstehen können, dann sind sie auf alle Stolpersteine des Lebens bestens vorbereitet”

Oder möglicherweise auch: “Lernen Sie ihr Gegenstück gleich schon in allen Stadien des Befindens kennen: Ob Schweißgeruch oder Lebensmittelvergiftung – danach wissen sie genau, worauf sie sich mit ihrem Gegenüber einlassen ;).

PS: Es gewittert hier gerade, mal sehen wie lange ich diesmal nicht zu erreichen bin^^

04.07.19

In den nächsten paar Wochen ist die Schule hier sehr leer. Die Schulkinder haben Sommerferien und die einzigen, die im Moment auf dem Schulgelände untergebracht sind, sind die Internationals (wie wir sie nennen) und die chinese kids, die hier so eine Art Sommer(-boot-)camp mitmachen. Dass ich nach meiner Abiverleihung direkt aufgebrochen bin, zahlt sich definitiv aus, so dass ich Zeit hatte, noch den richtigen Schulalltag mitzuerleben und schon die basic stands vom Kung Fu zu lernen. So bin ich schon ein bisschen weiter als die anderen Neuen, die in den letzten paar Tagen gekommen sind und lerne seit heute meine zweite Faustform.

Einige Fragen beschäftigen mich hier häufiger. Sobald jemand neu hier ankommt, werden natürlich die üblichen Fragen gestellt: Wo man genau herkommt, was man beruflich macht oder studiert oder auch welche Reisen man schon unternommen hat und wie man auf die Idee kam, zu dieser Schule hier zu kommen (neben dem offensichtlichen Grund, dass diese Schule hier nun mal das günstigste Angebot hat, wenn man Kung Fu in China lernen möchte^^). Wer übrigens darüber noch etwas lesen möchte, sollte unbedingt mal auf der Website: https://smabloggers.com/2019/07/01/my-journey-to-china-to-learn-kung-fu vorbeischauen und meinen Artikel lesen: “My Journey to China to learn Kung Fu”, welchen ich geschrieben habe, bevor ich herkam. Auf der Website schreibe ich hin und wieder auch einen Artikel als Gastautor.

Was mich aber viel mehr interessiert sind nicht die Gründe, die dich hier her geführt haben, sondern die, die dich dazu veranlassen auch zu bleiben. Deswegen spreche ich auch mehr mit den Internationals, die schon länger oder auch schon zum wiederholten Male hier sind. “Wegen des Trainings” reicht mir als Antwort allerdings nicht, weil ganz so einfach ist es nämlich nicht. Die Moral hier (und wie man hier munkelt in ganz China) sieht so aus: Training. Training. Training. Oh, geht nicht mehr? Noch 10 Mal mehr, dann spürst du es nicht mehr. Oder auch: Oh umgeknickt beim gegen den Sandsack treten? Einmal unter den Wasserhahn halten und weiter geht’s.

Ums kurz zu machen: Oh kaputt? Zwei Tage ins Krankenhaus und weiter Training.

Dem International, mit dem Sandsack-Unfall habe ich danach nur gesagt, er solle sich daran erinnern, dass es immer noch sein Körper ist und nicht der von seinem Shifu. Das ist auch ein anderes Beispiel für das bereits mehrmals genannte ‘verantwortlich für sich selbst sein’. Dazu zählt auch der eigene Körper – hier mehr denn je.

Weswegen macht man das also? Geht es wirklich nur darum, sich physisch zu verbessern? Oder darum zu lernen, in einer Kultur zu überleben, die man so akzeptiert, aber deswegen noch lange nicht gut finden muss? Geht es darum sich selbst etwas zu beweisen? Durchhaltevermögen? Glaubt man daran, etwas ändern zu können – den Shifus hier die Anregung zu geben auch mal raus aus dieser Provinz vielleicht sogar raus aus ganz China zu kommen und ihren Horizont) im wahrsten Sinne des Wortes) zu erweitern? Oder ist es wegen der interessanten Leute hier aus aller Welt und den chinese Kids, mit deren Englisch man zwar nicht weit kommt, aber trotzdem die ganze Zeit Späße macht? Für mich ist es wohl von allem ein bisschen. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass vorgestern auch ein Tag war, wo der Gedanke: ‘Sechs Monate sind schon eine verdammt lange Zeit hier’ sehr präsent war.

Aber letztendlich ist es auch bei dieser Sache so: Ich bin selbst dafür verantwortlich, wie ich meine Zeit hier nutze. Nicht nur innerhalb des Training – Versuche ich zum Beispiel ernsthaft die Sprache zu lernen oder verlasse ich mich auf dürftiges Englisch meines Gegenübers und Zeichensprache sowie Googleübersetzer? Viele hier tun das, das Training ist schließlich anstrengend genug. Wie weit ich komme sei mal dahingestellt, aber versuchen will ich es auf jeden Fall:

(Die Wand über meinem Bett, bereits zugepflastert mit chinesischen Schriftzeichen und Übersetzungen)

Ich glaube aber daran, dass da noch eine Menge mehr Sachen hier sind, die ich noch nicht verstanden habe oder die mir auch noch gar nicht aufgefallen sind. Ich glaube, es gibt hier für mich noch eine ganze Menge zu lernen – auch über mich und ich bin mir sicher, dass die 5 1/2 Monate, die ich hier noch habe rückblickend wie ein einziger Wimpernschlag gewesen sein werden. Was nicht heißt, dass es einfach werden wird, aber das ist okay :).

An alle die Zuhause sind oder sich im Urlaub entspannen: Nehmt euch bitte eine Minute in meinen Namen Zeit und schätzt diese vier Dinge: Venünftiges Essen, ein weiches Bett, Leitungswasser, was man vor dem Trinken nicht erst abkochen muss und die Individualität, die in eurer Erziehung hoffentlich gefördert wurde. Wenn man hier in einer Grundschule die Kinder fragt, welches ihr Lieblingslied ist, bekommt man 30 Mal die selbe Antwort – behaltet das im Hinterkopf.

29/30.06.19

Gestern hat es hier ordentlich geregnet. Das klingt vorerst nicht so erwähnenswert – an sich ist das doch eine schöne Sache, vor allem wenn es so heiß ist. Bei uns fiel aber prompt der Strom und damit auch das Wasser aus. Das ist tatsächlich weniger lustig in einer Martial Arts School in der über 100 Kinder gerne duschen würden oder aus der Kantine gerne etwas zu essen hätten. Der Rekord für die längste Zeit ohne Strom und Wasser lag im letzten Jahr bei 2 Wochen. Man braucht hier schon Nerven von etwas stärkerer Natur^^.

Ich bin jetzt genau eine Woche hier an der Schule und ich darf behaupten, dass kein Training Zuhause jemanden auf das hier vorbereiten kann^^. Die Leute hier sind allerdings einzigartig, es gibt die spannendsten Geschichten, wie manche hier gelandet sind und die Shifus, d.h. die Lehrer hier an der Schule wissen, was sie tun.

30.06:

Es gibt drei Trainingsgruppen:

1. Kung Fu, zu welcher ich gehöre und die einen Shifu hat, dessen Trainingsmoral man wohl sehr kurz mit ‘militärisch’ beschreiben kann. Ob wir Akrobatik lernen, Crossrennen müssen, Powerstreching machen (das Wort ‘Power’ hat sich dort nicht verrirrt, es gibt einen ganz existenziellen Grund, weswegen es da steht und sich von seinem Ursprungsverb respektvoll abgrenzt^^) Formen lernen oder in aller bester Bootcamp-Manier Treppen und Parkplätze unsicher machen, über eine Sache sind sich alle einig, auch wenn jeder dem einen etwas anderes vorzieht: Yuan Shifus Training ist ‘hardcore’ und wir haben es (außer Sonntags) 4-8 Stunden täglich. Ich darf an dieser Stelle nochmal an die etwas stärkeren Nerven erinnern^^.

2. Tai Chi – Heute dazu nur: Wer denkt, dass wäre nur was für ältere Menschen, hat es noch nicht versucht.

3. Sanda – Chinesisches Kickboxen: Man bemerkt hier eher die Abwesenheit von Regeln als das Gegenteil – ähnlich wie Taiboxen, bisschen humaner als MMA

Gestern hat sich unser Shifu außerdem beim Putzen überlegt, er möchte gerne den Computerraum hier in einen Tee-Zeremonieraum umfunktionieren und deswegen sämtliche Schüler mobilisiert, um die ganzen Sachen rauszuschaffen und irgendwo anders unterzubringen. Vorher war der Computerraum nämlich so etwas wie die Tauschbörse der Schüler hier: Was bei der Abreise nicht mehr in den Koffer gepasst hat, ist dort gelandet: Kleidung, Wasserkocher, jede Menge Bücher und Arzneimittel und vieles mehr. Wer etwas gebraucht hat, konnte es einfach mitnehmen. Jetzt steht dort ein großer Tisch für Tee und … ja Tee eben^^. Der Raum beherbergt aber auch den Kühlschrank, der mir gegenüber schon ganz stolz angepriesen wurde, bevor ich mein Zimmer überhaupt bezogen hatte. Dazu muss man sagen, dass dieser Kühlschrank nur durch jahrelange und hartnäckige Bitten der Schüler letztes Jahr erst angeschafft wurde. Jetzt hält das Obst, der Yoghurt und das Eis auch länger, was man hier unbedingt zum Überleben braucht.

Meine zweite Trainingswoche bricht morgen wieder an und vorher wollte ich mir noch die Zeit nehmen, dem Bild von meinem Leben hier ein paar Details hinzuzufügen. Morgen ist Schulter und Armtraining, also wer weiß, wann ich wieder die Kraft finde, einen oder zwei Finger für meinen nächsten Bericht zu heben^^.

Jeder ist hier für sich selbst alleine in sofern verantwortlich: – Das Training ist hart und wie du es bewältigst musst du selber wissen, – Es kommen oft neue Leute und andere gehen (es gibt hier nur einen anderen Austauschschüler der genau den selben Zeitraum bleibt wie ich), das heißt, du musst selber dafür sorgen, dass du Anschluss findest und das bedeutet auch, dass du offener und toleranter mit anderen Kulturen umgehen können musst, als man es gewöhnt ist. Schließlich ist der Ort an dem wir uns befinden für uns alle nicht der Beginn unserer Erziehung. Mit den chinesischen Schülern kann man sich meistens leider auf Grund von Sprachschwierigkeiten eher schlecht als recht unterhalten.

Unter solchen Umständen lernt man einige grundliegende Dinge über sich selbst und jeder einzelne stellt sich irgendwann selbst vor die Frage, weswegen er eigentlich hier ist und damit meine ich nicht, die Verkettung an Ereignissen oder Ideen, die zu dem Hinflug geführt haben, sondern die bewusste Emtscheidung hier zu sein, die Sachen anzunehmend auch hier zu bleiben.

25.06.19 postscript

It’s very weird. I feel like I’ve already been here for a month. I have all the common symptoms:

I start to get used to the training, I miss german food like dark bread, natural yoghurt and fruit salad. I start to get to know the people better and I start to think about what my next adventure will be like (and if it will be similar to this one).

So there is one thing that I want to write down so that I won’t forget it: The Shifus here, they never say you did something good. Honestly – never. In Chinese culture there is no such thing as ‘good’ if you aren’t perfect.

Two examples: The son of the headmaster of the school is training with us for his summer holidays. He is 10 years old and very cute (I gave him the nickname: Panda Baby). So because I am new and just learned the basic stands and kicks I should teach him what I learned. He was very perceptive and managed to follow my lead very fast so I told him that he was doing good (in chinese: hao – 好) and he looked at me as if I just transformed into an a giant cobra or something.

Other example: We do a lot of acrobatics in Kung Fu (they don’t do combat here, which I am really sad about) and one of the other students did a cartwheel over a block and landed on the mats. I thought: Wow, that was much better than the first time she did it, she is really making progress. What Shifu said was: Stand up staight! You don’t move your second leg right!

After training I told her that I thought she was pretty good and after we talked for a while I realised: They honestly think they are not good. The kids here do flips and jump rolls and everything, but because it is not perfect they think they are not good.

So I’m writing this down for me and for everyone out there who does sports or does anything else to challenge him or herself and tries to get better: You are doing good! You are trying and therefore you are doing good! Never forget that.

Tuesday – 25.06

Falls man sich überhaupt an Aufstehen um 5:30 Uhr und Training um 6 Uhr gewöhnen kann, habe ich es auf jeden Fall noch nicht getan😅.

Wenn ich nicht trainiere oder esse, dann schlafe ich, deswegen ist es mit meinem rhetorischen Talent in diesem Blog bis jetzt auch noch nicht weit her.^^

Die Kultur ist sehr anders. Es gibt täglich 6 Meetings draußen auf dem Platz (man erinnere sich: 6. Stock), die teilweise nichts anderem dienen, als zu schauen, ob noch alle da sind und auf den Fluren gibt es Kameras. Andererseits wird hier nie irgendetwas gestohlen. Es gibt hier einen Kühlschrank (wohl noch nicht sehr lange), auf den die Shifus auch mächtig stolz sind und niemand kommt auch nur auf die Idee, etwas zu nehmen, was ihm nicht gehört.

Es gibt eine Menge Regeln und ständig neue Leute. Viele Deutsche ansonsten haben wir auch Kalifornien, Kanada, Frankreich und Sri Lanka vertreten. Anpassungsfähigkeit und freundliche Offenheit ist wichtig, aber es ist schwierig, die anderen Austauschschüler besser kennenzulernen, weil die einen bald gehen und die anderen auch erst ankommen müssen.

Auf dem Schulgelände gibt es außerdem viele Familien. Von den Shifus, den Chinesisch-Lehrerinnen und den Security-guards oder ‘Taxi’-Fahrern.

Das Training besteht zu großen Teilen aus Akrobatik und Formen, wer kämpfen lernen möchte, wechselt zu Sanda.

Es gibt unglaublich viele umgeschriebene Regeln: Stecker müssen raus, wenn man nicht im Zimmer ist, ansonsten muss man 100 Push Ups machen für jeden einzelnen. Man sollte die beiden jüngeren Shifus nicht auf den Damenbesuch ansprechen, der morgendlich aus dem Zimmer kommt und die fettigen Suppen in der Kantine rührt man besser nicht an. Es gibt eine Wasserkarte für heißes Wasser, welches man extra bezahlen muss. Am Anfang vergessen die Leute hin und wieder dass du neu bist und es passiert auch hin und wieder dass jemand verloren geht bei einer Laufrunde und dann vom Militär wieder hier her begleitet wird.

Ein Teil der Schule wird gerade renoviert – direkt neben unseren Zimmern und es würde mich möglicherweise stören, wenn ich nicht von dem ganzen Training (insgesamt 8 Stunden am Tag) so tief schlafen würde, dass man neben mir Schlagzeug spielen könnte.

Wie lange ich bei Kung fu bleibe, weiß ich noch nicht, aber Sanda werde ich früher oder später auf jeden Fall noch ausprobieren.

Man muss hier jeden Abend per Hand waschen, ansonsten gehen einem ganz schnell die Sportsachen aus, aber bei einer Standard-Temperatur von über 30 Grad trocknet das sehr schnell.

Jeder ist hier für sich selbst verantwortlich, auf eine ganz andere Art als in Deutschland. Das ist schwer zu beschreiben, ich werde darauf beim nächsten Mal mehr eingehen.

Liebe Grüße an alle

21.06.19 – First day / Erster Tag

Was kann ich so früh schon über China sagen? Verkehrsregeln existieren glaube ich nicht und zu Hupen, ist wichtiger als den Blinker einzuschalten.

Meinen ersten Eindruck der Yuntai-School könnt ihr selber von diesem Bild ablesen. Es verrät euch bei genauerem Hinsehen nämlich, in welchem Stock ich mich befinde. Dass es keinen Fahrstuhl oder sowas gibt, sollte man dazu vielleicht bemerken.

Was mich aber ganz ehrlich gesagt, überhaupt nicht interessiert hat. Ich hab ein Bett und es gibt eine Dusche – das ist, was zählt.

Ich bin erst knappe 24 Stunden hier, aber es kommt mir eher wie eine Woche vor – mindestens. Mit meinem fiesen Jetlag konnte ich meine erste Nacht nicht besonders gut schlafen und nichts kann einen wirklich hinreichend auf eine Trainingseinheit um 6 Uhr morgens vorbereiten^^. Ich war allerdings ziemlich stolz auf meine Ausdauer bei den Einlaufrunden und glaubte schon fest daran, konditionell nicht schlecht aufgestellt zu sein. Falsch gedacht.

Meinen ersten kleinen Tiefschlag hatte ich bereits um 8 Uhr morgens nach dem Mountain-Run. Und ja, das ist genau das, was man sich vorstellt. Hoch – um den Berg (das Wort ‘Berg’ hier sehr betont, es handelt sich dabei nämlich wirklich nicht um einen harmlosen Hügel) – und wieder runter zur Schule zurück. Wäre vermutlich auch ohne Schlafmangel und Klima-Anpassungs-Schwierigkeiten anstrengend. Als direkt danach Akrobatik-Training angesagt war, musste ich mich erstmal draußen ein bisschen hinsetzen und ein wenig aussetzen. Das wars dann wohl mit meinem Traum von meinen Läufer Talenten^^. Alles aber halb so schlimm, die anderen hier werden nicht müde, mir zu versichern, dass es ihnen genauso ging – wenn nicht sogar schlechter – in ihren ersten Tagen hier.

Alle sind wiklich nett und zuvorkommend, dass kann ich jetzt schon sagen. Um das Kantinenessen mache ich erstmal einen Bogen, bevor ich mich ein bisschen an die chinesische Küche gewöhnt habe, aber für umgrechnet ungefähr einen Euro kann man hier in einem kleinen netten Laden sehr gut essen.