Es gibt ein Sprichwort in China, welches in der Übersetzung ungefähr lautet: Ein guter Freund, der von weit her kommt, kann dir ein fremdes Land näher bringen.

Jemand, der vorher in diesem Zimmer gewohnt hat, hat diesen Spruch an der Wand hängen gelassen und man merkte bereits, dass er zutrifft, als sich einer der Shifus ausgiebig Zeit nahm, uns auf Englisch zu erklären, wie er gemeint ist.
Man bemerkt ganz genau was dieser Spruch bedeutet,
Wenn man abends noch draußen sitzt und mit den Shifus oder der chinesischen Englischlehrerin redet über alles und nichts,
wenn man mit den chinesischen Kids Quatsch macht oder sich über ihr Zuhause mit ihnen unterhält, welches sie hier größten Teils sehr vermissen,
wenn man Seite an Seite mit den anderen Internationals schwitzt und sich gegenseitig immer anfeuert
und vor allem wenn man etwas Neues versucht oder eine Form vorzeigen muss oder auch nur kleine Fortschritte bei den Akrobatikübungen macht oder auch einfach gar nichts klappt, aber man es wiklich versucht hat.
Dabei ist es nicht wichtig, ob dieser Mensch tatsächlich aus dem Land kommt, das einem nahe gebracht werden soll. Ein Gespräch mit einem Menschen chinesischen Ursprungs, in dessen Verlauf man zusammen lacht und Gemeinsamkeiten austauscht, kann einem hier – hunderte Kilometer von Zuhause und der Gesellschaft entfernt, in der man aufgewachsen ist – eine Kultur und ein Umfeld genauso näher bringen, wie ein Mensch französischen, italienischen oder auch beispielsweise deutschen Ursprungs, der mit einem zusammen die Dinge erlebt, die einem so fremd erscheinen und gemeinsam mit einem in Fettnäpfchen tritt^^.
Wenn man alleine reist, kollidiert man ganz automatisch mit einer ganzen Menge verschiedener Leute und wenn man dann noch an einem Ort wie diesem hier zusammen kommt, muss man auch zusammen halten.
Man kennt die Leute anfangs nicht, man weiß nicht, wie ihr Leben vorher verlaufen ist und wie sie auf die Dinge reagieren. Man muss es einfach akzeptieren und damit umgehen.
Und man muss eben Anderen gegenüber tolerant sein, damit man im Gegenzug auch Toleranz im Umgang mit seinen eigenen Gewohnheiten von den Anderen erwarten kann.